Notebook & Co.: ein Plädoyer für Gebrauchtkauf

(zuerst veröffentlicht im Mai 2017 auf der Nachhaltigkeits-Plattform utopia.de)

Dass es ökologisch sinnvoll ist, ein einmal produziertes Gerät möglichst lange zu nutzen, muss ich auf einem Utopia-Blog wohl nicht lange erklären. Aber wie kommt man zu einem Notebook, das einen über viele Jahre begleitet? Ein Erfahrungsbericht aus vielen Notebook-Kaufberatungen im Freundeskreis.
(Anmerkung: Fast alles, was ich hier schreibe, gilt auch für gebrauchte PCs, Bildschirme etc. Der Lesbarkeit zuliebe verzichte ich im Weiteren auf diese Aufzählung.)

2013 schrieb ich hier [auf utopia.de] darüber, wie ich meinem Notebook durch Umstieg auf Linux (und Einbau einer SSD – siehe unten) ein zweites Leben geschenkt habe. Jetzt, als es mir endgültig zu langsam wurde, ist es fast zwölf Jahre alt – ein beeindruckendes Alter für ein Notebook. Manch einer hätte sich in der Zwischenzeit schon zwei, drei Mal Ersatz gekauft. Woher diese Diskrepanz, und was gibt es zu beachten, wenn man solche Geräte länger nutzen möchte?

Businessgeräte statt Mediamarkt
Alle großen Computerhersteller unterscheiden zwischen Heimanwender- und Businessgeräten. Letztere sind zwar deutlich teurer, punkten dagegen mit robusteren Materialien, längerer Garantie, sowie längerer Treiber- und Ersatzteilverfügbarkeit. Außerdem ist die Unterstützung bei Problemen deutlich besser – es gibt z.B. detaillierte Reparaturanleitungen. Viele dieser Geräte werden geleast und kommen dann nach etwa drei Jahren auf den Gebrauchtmarkt.

Das Überraschende: dass viele dieser Geräte im täglichen Einsatz waren, sieht man ihnen kaum an. Der typische Büroarbeiter schließt am Schreibtisch ohnehin Maus, Bildschirm und Tastatur an und lässt den Deckel zugeklappt, so dass das Notebook selbst kaum Gebrauchsspuren abbekommt. Darüber hinaus leisten sicher auch die Wiederverwerter ganze Arbeit bei der Aufbereitung. Unter den Geräten, die Freunde auf meine Beratung in den vergangenen Monaten gekauft hatten, war kein einziges mit speckiger Tastatur, verschmiertem Bildschirm oder Ähnlichem.

Businessgeräte sind neu deutlich teurer, sie kosten schnell über 1000 Euro. Den größten Wertverlust – das ist ähnlich wie bei Autos – erleiden sie aber kurz nach dem Kauf, so dass sie nach drei Jahren höchstens noch etwa ein Drittel des Neupreises kosten.

Für welchen der großen Hersteller man sich entscheidet, ist letztlich egal – alle liefern hochwertige Geräte. Ich favorisiere im Moment Fujitsu und Lenovo, aber auch mit den Businessgeräten von HP oder Dell macht man nichts falsch.

An Fujitsu schätze ich, dass ein großer Teil des Unternehmens – anders als der Name vermuten lässt – in Deutschland angesiedelt ist. Viele PCs etwa werden in Deutschland produziert – das ist heutzutage sehr ungewöhnlich. Dazu kommt, dass man nicht gezwungen wird, die neueste Windows-Version einzusetzen. Noch lange nach dem Erscheinen von Windows 10 wurden den Geräten parallel Installations-DVDs für Windows 7 beigelegt. Viele, die sich nicht schon wieder an ein neues Betriebssystem gewöhnen möchten, oder Windows 10 generell skeptisch gegenüberstehen, schätzen das sehr.

Für Lenovo spricht dagegen die seit Jahren sehr übersichtliche Produktpalette. Die Modellbezeichnungen sind streng logisch aufgebaut und enthalten Informationen über die Leistung, Bildschirmgröße und Gerätegeneration. Das erleichtert gerade auf dem Gebrauchtmarkt die Orientierung erheblich. Dazu trägt auch das liebevoll gepflegte Thinkwiki bei.

Gebraucht kaufen – aber wo?
Auf Ebay gibt es eine Flut an Angeboten und es erfordert eine Menge Zeit und Expertise, diese zu sichten. Wie alt ist das Gerät? Wie ehrlich beschreibt der Vorbesitzer die Gebrauchsspuren? Welcher Preis ist angemessen? Und was, wenn das Gerät nach einem halben Jahr den Dienst versagt?

Besser aufgehoben ist man bei professionellen Gebrauchthändlern. Auch davon gibt es einige – ich konzentriere mich bei der Suche aber auf sechs bis acht Händler. Viele davon haben auch ein Ladengeschäft, was ich als Zeichen von Solidität werte. Im Idealfall liegt einer dieser Läden in der Nähe, dann kann man das avisierte Gerät vor dem Kauf mal in die Hand nehmen und hat bei Fragen, auch nach dem Kauf, einen direkten Ansprechpartner.

Auch bei der Garantie gibt es wenig Fallstricke: die Gebrauchthändler geben meist ein Jahr Gewährleistung – genau so viel, wie man auch auf ein neues Heimanwender-Gerät bekommt.

Eine Auswahl an Gebrauchthändlern, mit denen ich bereits Kontakt hatte:
preiswertePCLuxnoteHarlanderLapStorenotebooksbilligerSecondeal

Notebook statt Ultrabook
Notebooks werden zunehmend flacher und leichter. Das wäre grundsätzlich zu begrüßen, wenn dadurch nicht Reparatur und Aufrüstung immer schwieriger würden.

Zugegeben: ich habe in letzter Zeit nur noch sehr selten Notebooks repariert. Aber mal einen altersschwachen Akku ersetzt, eine Festplatte durch eine SSD ersetzt oder mehr Hauptspeicher eingebaut – das kommt vor. All das ist bei den extrem flachen Ultrabooks aber kaum mehr möglich. Akkus sind fest verbaut, Gehäuse verklebt, und eine Wartungsklappe, um zügig an austauschbare Module heranzukommen, sucht man auch vergebens. Deshalb rate ich, wenn es nicht wirklich auf das letzte Gramm Gewicht ankommt, von Ultrabooks ab.

SSD statt Festplatte
Drei Jahre alte Computer, die man dann noch mal fünf Jahre nutzen soll – sind die nicht irgendwann schnarchlangsam? Das kann sein – aber als Gegenmittel gibt es seit wenigen Jahren SSDs. Eine SSD ersetzt die Festplatte, enthält aber statt rotierender Magnetscheiben nur Speicherchips – ähnlich eines USB-Sticks. Sie sind teurer als Festplatten, dafür aber erschütterungsunempfindlich, langlebig und im Vergleich rasend schnell.

Gebrauchthändler gehen zunehmend dazu über, Notebooks vor dem Wiederverkauf mit SSDs auszustatten und ich rate sehr dazu, nach solchen Angeboten Ausschau zu halten. Um den Preis nicht unnötig in die Höhe zu treiben, haben sie meist weniger Speicherplatz als die zuvor verbauten Festplatten (z.B. 256 statt 500 GB). Für viele Anwendungen reicht diese Größe trotzdem. Große Datenmengen muss man dann eventuell auf eine externe Festplatte auslagern – aber den Geschwindigkeitszuwachs ist das auf jeden Fall wert. Manche jüngeren gebrauchten Notebooks bieten sogar die Möglichkeit, SSD und Festplatte parallel einzubauen.

Betriebssystem – aber welches?
Auch das Betriebssystem sollte mit Bedacht gewählt werden. Windows 7, Windows 10 oder doch besser Linux? Diese Frage ist einen eigenen Blogartikel wert, der in Kürze folgen soll.

Fazit
Gebrauchtgeräte sind günstig – je nach Anspruch bekommt man zwischen 250 und 500 Euro solide Technik, die man mit etwas Glück noch viele Jahre nutzen kann. Das Risiko beim Kauf über einen professionellen Händler ist gering, und wenn dieser bereits eine SSD eingebaut hat, macht die Arbeit mit dem „neuen Gebrauchten“ gleich noch mal so viel Spaß. Das gute Gewissen für den Gebrauchtkauf gibt’s dann obendrauf…

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