Bits & Bäume: Warum wir für Internetdienste bezahlen sollten

Zwei Vorträge auf der Bits&Bäume-Konferenz erinnerten mich daran, welche Konsequenzen “kostenlose” Internetdienste haben, und wie sehr es in meinem Interesse sein kann, nicht nur *Nutzer*, sondern auch *Kunde* eines Webangebots zu sein.

Da war zum einen Bernhard E. Reiter von der Free Software Foundation, der in einem leidenschaftlichen Kurzvortrag darlegte, dass “kostenlos” meistens “werbefinanziert” bedeutet, oder noch schlimmer: “durch den Verkauf der Nutzerdaten finanziert”. Auf neutrale Informationen müsse man auf solchen Seiten nicht hoffen, denn deren Betreiber hätten gar nicht das Interesse, mir die Informationen zu liefern, die für mich interessant sind. Mit einem Augenzwinkern erklärte er, dass selbst er als “konsumkritischer Linker” in diesem Zusammenhang einer Kommerzialisierung viel Positives abgewinnen könne.

“Daten, die wir nicht brauchen, erheben wir nicht”

Zum anderen war da eine Fishbowl-Diskussion, unter anderem mit Dean Ceulic vom E-Mail-Anbieter Posteo. Er erklärte, dass es bei Anbietern kostenloser E-Mail-Postfächer eine klare Trennung gebe: auf der einen Seite stünden die Nutzer der kostenlosen Postfächer, auf der anderen Seite die Kunden des Unternehmens (also jene Firmen, die dort Werbeanzeigen schalten oder die Nutzerdaten auswerten). Wenn man sich das vor Augen führe, sei leicht zu erkennen, dass ein solcher Anbieter in einem Interessenskonflikt sei, der sich nur selten zugunsten der Nutzer entscheide. Posteo gehe da einen konsequent anderen Weg: das Postfach koste Geld (ab einem Euro pro Monat) – dafür sei der Dienst komplett werbefrei und verkaufe auch die Nutzerdaten nicht. Ein geringer Preis für weniger Ablenkung und mehr Privatsphäre. Posteo ist sogar so konsequent, dass bei der Anmeldung kein Name, keine Telefonnumer, keine Postanschrift abgefragt wird. Selbst die Bezahlung kann anonym erfolgen. Ceulic begründet diese Datensparsamkeit verblüffend einfach: “Wir erheben diese Daten nicht, weil wir sie nicht brauchen.”

Diese Logik beschäftigte mich noch lange. Nicht nur, dass es mir wieder vor Augen führte, wie ungut meine Kalender- und Adressbuchdaten bei Google aufgehoben sind. Ich ärgerte mich auch, weil ich bei web.de zwar fünf Euro pro Monat für mein Postfach bezahle, mir dadurch aber Werbung nur begrenzt erspart bleibt und mir auch unklar ist, was das Unternehmen mit meinen Daten tut.

In den Tagen nach der Konferenz habe ich mich daher nach Alternativen umgeschaut und drei Dienste in die engere Wahl genommen: posteo.de, mailbox.org und riseup.net. Alle drei bieten werbefreie, datenschutzfreundliche Postfächer an, teils kostenpflichtig (posteo und mailbox.org), teils spendenbasiert (riseup). Da ich auch eine Alternative zu Google-Kalender und -Adressbuch suchte, fiel die Wahl schließlich auf mailbox.org. Auch posteo bietet Kalender und Adressbücher, die sich mit dem Smartphone synchronisieren lassen, allerdings mit deutlich geringerem Funktionsumfang. Über meine Erfahrungen beim Umzug von Google habe ich einen eigenen Artikel geschrieben – der Umzug der Mails steht mir noch bevor.

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